Meldet Binance ans Finanzamt?

Die Frage hat sich 2026 verschoben. Binance hat seinen Antrag auf eine MiCAR-Zulassung zurückgezogen und stellt die Dienste für Nutzer in der EU seit dem 1. Juli 2026 ein. Für Ihre Steuererklärung ändert das nichts an der Pflicht, zurückliegende Gewinne zu erklären — es ändert nur, wie lange Sie noch an die Daten kommen, die Sie dafür brauchen.

Rechtsstand: 9. September 2026

Was sich zum 1. Juli 2026 geändert hat

Binance hat den Antrag auf eine MiCAR-Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister bei der griechischen Aufsichtsbehörde HCMC am 24. Juni 2026 zurückgezogen. Seit dem 1. Juli 2026 gibt es für Nutzer in der EU keine Neukäufe, keine Einzahlungen und kein Staking mehr.

Möglich bleiben Auszahlungen und die Abwicklung bestehender Positionen, damit Kunden ihre Bestände transferieren oder verkaufen können. Über konkrete Fristen informiert Binance nach eigener Ankündigung per E-Mail und in der App; das Unternehmen hat erklärt, eine Zulassung in einem anderen EU-Mitgliedstaat anzustreben.

Was nicht öffentlich zugesagt ist: wie lange der Zugriff auf das Konto und damit auf die Transaktionshistorie bestehen bleibt. Genau darin liegt das steuerliche Risiko — nicht in der Meldepflicht.

Was das für Ihre Steuererklärung bedeutet

Die Steuerpflicht hängt nicht daran, ob ein Anbieter meldet. Wer über Binance in einem Jahr innerhalb der Haltefrist mit Gewinn verkauft oder getauscht hat, muss das erklären — vor dem EU-Rückzug wie danach. Was der Rückzug ändert, ist allein die Beweislage: Ohne Kontozugriff gibt es keinen Export, und ohne Export müssen Besteuerungsgrundlagen geschätzt werden.

Für die Meldepflicht nach dem Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz gilt die allgemeine Regel: Sie trifft Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen, die in den Anwendungsbereich fallen. Welche Kategorien das sind und ab wann gemeldet wird, steht auf unserer Seite zu DAC8 und der Meldepflicht. Eine Aussage darüber, ob Binance konkret meldet, treffen wir nicht — das ließe sich von außen nicht belegen, und der Status ändert sich derzeit.

Praktisch heißt das: Die Frage „meldet Binance?" ist für Ihre Erklärung zweitrangig. Die Frage „habe ich meine Daten?" ist es nicht.

Welche Exporte Binance selbst bereitstellt

Zwei Wege stehen zur Verfügung, und beide haben Grenzen, die man vorher kennen sollte — besonders, wenn mehrere Jahre aufzuarbeiten sind.

Grenzen der beiden Exportwege nach den Angaben im Binance-Support, abgerufen am 9. September 2026.

Was Grenze
Zeitraum je Statement (Spot-Historie) maximal ein Jahr ab dem gewählten Datum, Daten ab dem 13.07.2017
Statements pro Monat (Spot-Historie) fünf
Statements pro Monat (allgemeine Transaktionshistorie) 15 bis 40, je nach Konto
Gültigkeit des Download-Links sieben Tage
Binance Tax: erfasste Transaktionen bis zu 100.000
Binance Tax: nicht unterstützt Futures und NFTs — manuell nachzutragen

Warum diese Zahlen zusammen zählen

Ein Mandat mit acht offenen Jahren braucht acht Statements. Bei fünf Statements pro Monat für die Spot-Historie sind das zwei Monate — bei einem Konto, dessen Zugang gerade abgewickelt wird. Wer erst anfängt, wenn die Selbstanzeige schon eilt, hat dieses Zeitfenster nicht mehr. Und der Download-Link verfällt nach sieben Tagen: Ein Export, den niemand rechtzeitig herunterlädt, muss neu beantragt werden und verbraucht ein weiteres Kontingent.

Typische Stolperstellen bei Binance-Daten

Die häufigste Fehlannahme ist, dass ein einziger Export den ganzen Fall abbildet. Das trifft bei Binance selten zu, weil sich die Aktivität über mehrere Produkte verteilt und die Exportwege unterschiedlich weit reichen.

  • Futures und NFTs fehlen im hauseigenen Steuerbericht. Binance Tax deckt sie nach eigenen Angaben nicht ab; wer nur diesen Bericht liefert, übergibt einen unvollständigen Sachverhalt, ohne es zu merken.
  • Die Jahresscheiben verdecken Lücken. Wer für jedes Jahr einzeln exportiert, übersieht leicht ein Jahr — vor allem eines, in dem wenig passiert ist. Für die Vollständigkeit einer Nacherklärung ist gerade das kritisch.
  • Die 100.000er-Grenze trifft aktive Konten. Wer über Jahre mit Bots oder häufigen Kleinbeträgen gehandelt hat, überschreitet sie schneller als gedacht — und braucht dann einen anderen Weg als den hauseigenen Bericht.

Wie sich Rohdaten aus mehreren Quellen zu einer belastbaren Berechnung zusammenführen lassen, beschreiben wir im Beitrag zur Krypto-Datenaufbereitung und den Steuerreports. Die materiellen Grundlagen — Haltefrist, Freigrenze, FIFO, Staking — stehen im Krypto-Steuer-Ratgeber.

Was tun, wenn frühere Jahre nicht erklärt sind

Dann gilt dieselbe Reihenfolge wie sonst auch — nur unter Zeitdruck. Zuerst die Daten sichern, solange der Zugang besteht. Danach prüfen, welche Jahre offen sind und ob der Weg über eine Selbstanzeige nach § 371 AO noch offensteht. Nicht umgekehrt: Eine eingereichte, unvollständige Anzeige kostet die Straffreiheit vollständig.

Der Zeitdruck kommt hier aus zwei Richtungen. Von der einen Seite die Sperrgründe des § 371 Abs. 2 AO, die mit fortschreitender Kenntnis der Finanzbehörde eintreten können. Von der anderen die Abwicklung eines Kontos, dessen Datenbestand Sie für genau diese Anzeige brauchen.

Voraussetzungen, Sperrgründe und Ablauf stehen auf unserer Seite zur Krypto-Selbstanzeige.

Quellen

  • Binance Support: „How to Download Spot Trading Transaction History Statement" und „How to Generate Transaction History", abgerufen am 9. September 2026
  • Binance Support: „Frequently Asked Questions on Binance Tax", abgerufen am 9. September 2026
  • Berichterstattung zum Rückzug des MiCAR-Antrags und zur Einstellung der EU-Dienste, Juni 2026
Maximilian Klein

Über den Autor

Maximilian Klein — Steuerberater

Steuerberater mit Schwerpunkt auf der Aufarbeitung von Krypto-Transaktionsdaten und Nacherklärungen über mehrere Jahre.

Mehr über unser Team

Hinweis: Diese Seite gibt die Rechtslage zum Stand 9. September 2026 wieder und ist keine Beratung im Einzelfall. Angaben zu Produkten und Exportwegen geben den am 9. September 2026 abgerufenen Stand wieder und können sich ändern. Ob und in welcher Form Handlungsbedarf besteht, hängt von Ihren konkreten Unterlagen ab und setzt deren Prüfung voraus.

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